In diesem Sonntagsstück gibt es ein Zitat von Umberto Eco zum Nachdenken. Dabei steht das Thema „Bücherliebe“ im Mittelpunkt.
Ein Sonntagsstück von Karl Sternau
Trotz aller digitalen Möglichkeiten zu lesen, bleibt für mich das Papier unersetzlich. Ein Buch in der Hand zu haben, ist etwas anderes als ein technisches Gerät. Während das noch viele teilen, gehen die Meinungen beim Bücherbesitz auseinander.
Sammlung
Eine Privatbibliothek zu besitzen ist uns unserer Zeit einfacher und schwerer als früher zugleich. Bücher haben keinen unbezahlbaren Preis mehr und sind gerade auch gebraucht leicht zu bekommen. Wer sich ein bisschen damit beschäftigt und Geduld hat, der wird auch seltene Werke zu guten Preisen kaufen können. Deutlich schwerer ist es alles zu behalten, da schnell der Platz zu Problem wird. Platz ist nämlich das beschränkte Gut heute.
Wegwerfen
Es haben sich nun verschiedene Umgänge mit Büchern entwickelt. Manche behalten nichts, was sie gelesen haben, andere kaufen kaum neue Bücher oder werfen Bücher sogar weg (humoristisch hier verarbeitet). Wiederum andere (dazu gehöre ich) versuchen so viel wie möglich ordentlich aufzuheben. Dabei besitzt man irgendwann mehr als man vielleicht jemals lesen kann. Darum dreht sich das Zitat von Umberto Eco.
Umberto Eco
Eco war selbst Philologe und Schriftsteller. Vor allem sein Roman „Der Name der Rose“ wurde weltberühmt. Doch er war auch ein großer Bücherfreund – seine Privatbibliothek umfasste weit über 30.000 Bände. Nach seinem Tod 2016 wurde darüber sogar ein Film („Umberto Eco - Eine Bibliothek der Welt“) gedreht. Er hat sich oft zur Bücherliebe geäußert.
Folgendes Zitat (in etwas freier deutscher Übersetzung) gibt sein Verständnis gut wieder:
„Es ist töricht zu glauben, man müsse alle Bücher lesen, die man kauft, genauso wie es töricht ist, diejenigen zu kritisieren, die mehr Bücher kaufen, als sie jemals lesen können. Das wäre so, als würde man sagen, man müsse erst jedes Besteckteil, jedes Glas, jeden Schraubenzieher oder jeden Bohrer benutzen, bevor man neue kauft.Es gibt Dinge im Leben, von denen man immer ausreichend Vorrat haben sollte, selbst wenn man nur einen kleinen Teil davon tatsächlich nutzt. Wenn wir Bücher zum Beispiel als Medizin betrachten, wird klar, warum es gut ist, viele von ihnen zu Hause zu haben statt nur wenige: Wenn man sich besser fühlen will, geht man zum ‚Medizinschrank‘ und wählt ein Buch aus. Kein beliebiges, sondern genau das richtige für diesen Moment. Deshalb sollte man immer Auswahl haben!
Wer nur ein einziges Buch kauft, es liest und anschließend wieder loswird, überträgt schlicht die Konsumentenlogik auf Bücher. Er betrachtet sie als Verbrauchsware, als ein Gut. Wer Bücher liebt, weiß hingegen: Ein Buch ist alles – nur keine Ware.“
Über die Sonntagsstücke:
Karl Sternau präsentiert jeden Sonntag ein mehr oder weniger geistiges Fundstück aus der weiten Welt des Internets. Sollte ein hier geteilter Link nicht mehr funktionieren, waren Sie mit Ihrer Lektüre zu spät dran. Über Rückmeldungen zu den Sonntagsstücken sowie Ideen für weitere Sonntagsstücke freuen wir uns: [email protected]






