Müllers Sonntagskolumne

Müller mault über die Behauptung, Frauen bekämen weniger Geld

Müller mault
Bild Frau: pixabay (C00), Bild Müller und Bildkomposition: Info-DIREKT

Wenn mich eine Sache wirklich aufregt … dann ist das die blödsinnige Behauptung, dass Frauen weniger Geld für die selbe Arbeit bekommen. Diese Behauptung ist so plump und falsch, dass sie Aufschluss gibt über denjenigen der sie erhebt. Mir sagt das vieles über die Person:

Erstens hat sie keine Ahnung von Wirtschaft. Zweitens hinterfragt sie keine offensichtlich falschen Behauptungen. Und drittens möchte sie gerne glauben, dass Frauen im Arbeitsmarkt schlechter Fußfassen können weil es eine unausgesprochene Vereinbarung zwischen allen Männern gibt, Frauen niemals gleich zu behandeln.

Plumpe Propaganda

Ich komme gerade auf dieses Thema, weil ich diese Woche ein Video in den sozialen Medien gesehen habe, dass dümmer nicht sein könnte. In diesen kurzen Filmchen werden jeweils ein Mädchen und ein Junge gebeten blaue und pinke Plastikbälle in zwei verschiedene Vasen zu sortieren. Die Kinder machen sich sofort an die Arbeit und haben ruck zuck alle Bälle in die entsprechende Vase verbracht. Die Arbeit ist erledigt, man gibt sich alle Fünfe und lacht. Dann sagt der Leiter des „Experiments“, dass es nun Zeit für die verdiente Belohnung sei. Den Kindern werden dann zwei Gläser mit Süßigkeiten gegeben. Und, oh Schreck, die Mädchen haben viel weniger Süßigkeiten. Auf das etwas peinlich berührte Lächeln der Kinder erklärt man dann frei heraus, dass das Mädchen weniger bekommt, weil sie eben ein Mädchen ist. „Das ist aber unfair!“, erklären die Kinder vehement und teilen selbstverständlich. Man kann förmlich hören wie eine ganze Generation ökonomischer Nullchecker aufatmet und sich freut, dass auf die Weisheit der Kinder eben immer Verlass ist und diese Situation, „die vollkommen mit der echten Welt zu vergleichen ist“, doch noch bereinigt werden konnte.

Plumpe Botschaft

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Zunächst einmal habe ich eine grundlegende Abneigung gegen alle durchschaubaren kleinen Filmchen mit denen „ganz unvorhersehbar“ und mit viel Pathos auf soziale Ungerechtigkeiten hingewiesen werden soll damit sich die Macher besser vorkommen können. Zweitens finde ich es falsch Kindern einzureden, dass sie egal was sie machen, nie erreichen können, was sie wollen, weil sie eine angebliche Glasdecke oder irgendwelche finsteren Mächte davon abhalten. Welche Ambition will man damit in ihnen fördern. „Du kannst alles erreichen… bis dir die Illuminaten die Nase zuhalten.“, oder was?

Plumpes Wirtschaftsverständnis

Und drittens ist es einfach Schwachsinn. Zahllose Wirtschaftsexperten von Weltrang haben das schon bewiesen und hinlänglich erklärt. Man frage sich nur einmal: Wenn Frauen wirklich die billigeren Arbeitskräfte sind, warum werden sie dann nicht bevorzugt eingestellt?

Weiters ist es schlichtweg Blödsinn zu behaupten, Frauen würden weniger Geld für die selbe Arbeit verdienen! Sie können mir glauben wenn ich Ihnen sage, dass ich in meinem Leben schon einige Jobs hatte. Vor allem während des Studiums. Ich habe gekellnert, Kinokarten abgerissen, an der Kassa gearbeitet, für Sicherheitsdienste gearbeitet und Flyer verteilt. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals eine weibliche Kollegin weniger verdient hätte als ich. Oder anders gesagt. Glauben sie, dass es rechtens ist, wenn eine Firma Frauen und Männern unterschiedliche Löhne für sie selbe Tätigkeit bezahlt?

Plumpes Frauenverständnis

Frauen entscheiden sich eher für Berufsfelder und Lebensentwürfe die flexibler sind. Es ist wissenschaftlich erwiesen (und wird meines Wissens auch nicht angezweifelt), dass Frauen die „Work-Life-Balance“, also die Ausgewogenheit von Arbeit und Freizeit, sehr viel wichtiger finden als die Entlohnung. Bei Männern ist das nicht so. Deshalb tendieren sie auch dazu sich in Berufen zu betätigen, in denen die Bezahlung höher ist. Außerdem haben sie eine viel höhere Bereitschaft Überstunden zu leisten. Ganz abgesehen davon, dass Frauen häufiger in weniger körperlich anstrengenden Berufen arbeiten.

Gehalt ist oft Verhandlungssache

Dazu kommt noch, dass Frauen, die sich im höheren Verdienstsegment bewegen, ihre Löhne oftmals selbst verhandeln. Sie neigen allerdings dazu weniger aggressiv zu sein und ihre Gehaltsforderungen tiefer ansetzen. Man nennt das „agreeableness“ und meint damit das Bedürfnis nach Harmonie und den Wunsch gemocht zu werden.

Lassen Sie sich also bitte nicht diesen Schwachsinn erzählen. Wie immer gilt: Nur weil eine kleine ahnungslose Minderheit besonders laut schreit, hat sie noch lange nicht recht.

Wer trotzdem glaubt, dass Frauen unter gleichen Bedingungen weniger verdienen, dem lege ich Nahe ein Buch über Wirtschaft zu lesen, das nicht „das Kapital“ heißt.

Passen Sie auf Ihren Kopf auf!
Müller